Reformen haben Mobilität am Arbeitsmarkt gebremst
Quelle: Pressemitteilung Hans-Böckler-Stiftung
Die Flexibilisierungspolitik des vergangenen Jahrzehnts hat nur einen Teil des Arbeitsmarkts in Bewegung gebracht: Bezieher von Arbeitslosengeld I nehmen schneller neue Stellen an. Bereits Beschäftigte sind jedoch verunsichert und wechseln seltener den Job als in früheren Zeiten. Unter dem Strich ist die Mobilität auf dem deutschen Arbeitsmarkt daher tendenziell gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Matthias Knuth vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Seine Analyse ist in den WSI-Mitteilungen erschienen, der Fachzeitschrift des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.*
Der Arbeitsmarktforscher hat die verschiedenen Segmente des deutschen Arbeitsmarktes untersucht und findet in der Zusammenschau eine Erklärung für die scheinbar widersprüchliche Entwicklung: Während kurzzeitig Arbeitslose durch die Reformen des vergangenen Jahrzehnts rascher wieder in eine neue Tätigkeit gelangen, scheuen Beschäftigte das Risiko eines Jobwechsels – auch wegen der Reformen. Schließlich wären sie materiell schlechter abgesichert als früher, "falls auf dem Weg über den Arbeitsmarkt etwas schief geht", so Knuth. Gleichzeitig haben sich die Beschäftigungschancen von Langzeitarbeitslosen nur wenig verbessert. Fazit des Wissenschaftlers: Der Rückbau der Arbeitslosenversicherung scheine sich "auf den Arbeitsmarkt insgesamt lähmend" ausgewirkt zu haben.
Beschäftigte: Festhalten am aktuellen Job. "Die zunehmende Zähflüssigkeit des Arbeitsmarkts" lässt sich Knuth zufolge an einer steigenden durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit ablesen. Im Mittel waren westdeutsche Beschäftigte Ende der 1990er-Jahre rund 9,5 Jahre bei ihrem aktuellen Arbeitgeber, bis zum Jahr 2008 erhöhte sich dieser Wert auf über 10 Jahre. Ein weiterer Indikator: Im Jahr 2000 hatten durchschnittlich 36 Prozent aller westdeutschen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine neue Stelle angetreten, während auf dem Höhepunkt des folgenden Aufschwungs 2007 nur noch 28 Prozent erreicht wurden.
Kurzzeitarbeitslose: Schneller wieder beschäftigt. Die kurzzeitig Arbeitslosen, die nach einigen Monaten mit Arbeitslosengeld I wieder eine neue Stelle finden, haben in den vergangenen Jahren für eine tendenziell sinkende Arbeitslosenquote gesorgt. Auf diese Gruppe entfällt nach Knuths Analyse ein Großteil der zunehmenden "Abgänge aus der Arbeitslosigkeit in die Erwerbstätigkeit". Dass sie im Schnitt schneller wieder eine neue Stelle haben, erklärt sich Knuth zufolge durch die gewachsene Konzessionsbereitschaft infolge der Hartz-Reformen: Empirische Untersuchungen belegen, dass Arbeitslose heute eher bereit sind, zu ungünstigeren Konditionen zu arbeiten. Das schließt die Annahme von Arbeitsplätzen unterhalb des eigenen Qualifikationsniveaus ein.
Langzeitarbeitslose: Weiter schlechte Karten. Hartz-IV-Bezieher haben an der gesunkenen Arbeitslosigkeit nur einen vergleichsweise geringen Anteil, so der Forscher. Seit ihrem Höchststand im April 2006 sei die Zahl der als erwerbsfähig eingestuften Leistungsberechtigten nur um 13 Prozent gesunken, während die Arbeitslosigkeit um 36 Prozent abnahm. Knuth folgert: Das verstärkte Fordern und Fördern wirke weniger auf diejenigen, auf die die neu ausgerichtete Arbeitsmarktpolitik eigentlich zugeschnitten sei. Der stärkste Effekt sei bei den anderen Gruppen zu beobachten – die das Risiko, ins Hartz-IV-Regime zu rutschen, vermeiden wollen. Das gelte "auch und gerade" für den "stabil beschäftigten Kern".
Durch die Reformen sei eine "Drohkulisse" entstanden, die es Unternehmen erleichtert habe, interne Flexibilisierungen durchzusetzen, schreibt Knuth. Vor diesem Hintergrund erschienen die "Anpassungsleistungen der Unternehmen, die das Durchschlagen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt verhindert haben, durchaus ambivalent". Einerseits sei es durch die hohe interne Flexibilität, vor allem bei den Arbeitszeiten, gelungen, Massenentlassungen zu verhindern. Anderseits führe der umfassende Zugriff der Betriebe auf ihre – als Gegenleistung für Arbeitsplatzsicherheit äußerst konzessionsbereiten – Mitarbeiter zu sinkender Arbeitszufriedenheit. In einer Untersuchung vom Frühjahr hatte das IAQ ermittelt, dass die Arbeitszufriedenheit in Deutschland seit den 1980er Jahren merklich abgenommen hat. Das könne ein Grund für die Zunahme psychischer Erkrankungen sein.
Zudem weist Knuth auf ein bisher kaum beachtetes Problem hin: Die "Verengung der Arbeitsmarktpolitik" auf die Vermittlung Arbeitsloser und Hilfebedürftiger habe im Endeffekt die soziale Mobilität am Arbeitsmarkt reduziert. Weil Arbeitnehmer in relativ sicheren Positionen seltener den Job wechseln, gebe es auch weniger Gelegenheiten für die Beschäftigten am Rand, in die Kernbelegschaften aufzusteigen. Der Wissenschaftler rät daher zu einer aktiven Arbeitsmarktpolitik, die durch Qualifizierung Beschäftigter wie Arbeitsloser "Mobilitätsketten in höherwertige Beschäftigung auslöst".
*Matthias Knuth: Widersprüchliche Dynamiken am deutschen Arbeitsmarkt. In: WSI Mitteilungen 11/2011. Download:
http://194.245.120.122/Sites/A/Online-Archiv/9039
Infografik zum Download im Böckler Impuls:
Einladung zum Partei-Stammtisch im Dezember
Hiermit laden wir alle Mitglieder, Freundinnen und Freunde, sowie alle Interessierten von DIE LINKE. Much zum Dezember-Stammtisch ein!
Wir treffen uns am Freitag, den 14. Dezember 2012 ab 19:00 Uhr im FIT-Hotel in Much-Berghausen.
Wir besprechen die aktuelle Politik aus dem Rat und den Ausschüssen von Much, Themen aus dem Rhein-Sieg-Kreis, ebenso wie das Geschehen aus Bund und Ländern. Dabei tauschen wir unsere Ideen aus, wie eine soziale und gerechte Politik in die Tat umgesetzt werden kann.
Wer sich beteiligen oder uns einfach mal kennen lernen möchte, kommt vorbei und setzt sich zu uns!
Unsere Sitzungen sind öffentlich und wir freuen uns über jeden Gast.
Herzlichst,
DIE LINKE. Much
Kaschieren und blamieren
Zur Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Monat Dezember erklärt die Bundesgeschäftsführerin der LINKEN, Caren Lay:
Es gibt die Arbeitslosen, die es offiziell nicht gibt. Die Bundesagentur liefert monatlich eine Gefälligkeitsstatistik für Frau von der Leyen, für den Monat Dezember addierte die Behörde 2,78 Millionen Menschen ohne Beschäftigung zusammen. So lässt sich prima auf ein "gutes Jahr" zurückblicken.
DIE LINKE rechnet seit 2009 monatlich noch einmal nach: In der offiziellen Statistik fehlen Arbeitslose über 58, Menschen in Beschäftigungsmaßnahmen und 1-Euro-Jobs, kranke Arbeitslose, Arbeitslose in Weiterbildung und in sogenannten beruflichen Eingliederungen. All diese Menschen sind arbeitslos, zusammen im Monat Dezember mehr als eine Million. Insgesamt waren im Dezember somit 3,80 Millionen Menschen arbeitslos. Kein so gutes Jahr, also.
Und ganz abgesehen davon: Die Arbeitsplätze, die entstehen, befinden sich zu einem Großteil im Niedriglohnbereich, sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder Leiharbeit. Schlecht bezahlt und unsicher taugt diese Arbeit nicht für ein gutes Leben und nicht für eine gute Rente.
DIE LINKE fordert eine Arbeitsmarktpolitik, die Menschen in sozialversicherungspflichtige, existenzsichernde Arbeit bringt – sich darum zu kümmern, ist weit sinnvoller, als Statistiken zu schönen.
Aufklärungsserie der FAZ zur Finanzkrise und Demokratie
Bankenkrise der Spekulanten
Zur Bankenkrise, welche durch die Spekulanten ausgelöst wurde, und die uns heute als Schuldenkrise, Eurokrise oder mit anderen falschen Namen verkauft wird, hat die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG eine sehr eindrucksvolle Serie namhafter Autoren veröffentlicht.
Diese bemerkenswerte Sammlung Essays im Feuilleton der FAZ klärt vielfach über die Hintergründe dieser Krise auf, die Verstrickungen der Politik mit der Finanzwirtschaft, die Bedrohung der Demokratie und warum die herrschende Elite weder willens noch fähig ist, dringend nötige Änderungen am globalisierten Wirtschaftssystem vorzunehmen.
Ebenso finden Sie diese Übersicht und weitere lesenswerte Artikel auf den NachDenkSeiten.
Hier die Übersicht der Artikel:
| 15. 08. 2011 – von Frank Schirrmacher
Bürgerliche Werte – „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“ Im bürgerlichen Lager werden die Zweifel immer größer, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang. Gerade zeigt sich in Echtzeit, dass die Annahmen der größten Gegner zuzutreffen scheinen. |
| 01. 11. 2011 – von Frank Schirrmacher
Der griechische Weg – Demokratie ist Ramsch Wer das Volk fragt, wird zur Bedrohung Europas. Das ist die Botschaft der Märkte und seit vierundzwanzig Stunden auch der Politik. Wir erleben den Kurssturz des Republikanischen. |
| 04. 11. 2011 – von Jürgen Habermas
Euro-Krise – Rettet die Würde der Demokratie Papandreou hält dem zerrissenen Europa den Spiegel vor. Ein Kommentar zu Frank Schirrmachers „Demokratie ist Ramsch“. |
| 13. 11. 2011 – von Frank Schirrmacher
Eurokrise – Und vergib uns unsere Schulden Jeder Umsturz, jede Revolution beginnt mit Schulden, welche die Gesellschaft nicht mehr bezahlen kann. David Graebers großes Buch „Debt“ zeigt uns, wo wir heute stehen. Eine Befreiung. |
| 23. 11. 2011 – von Albrecht Müller
Euro-Krise – Die Lüge von der Systemrelevanz Die Finanzwirtschaft hat die Politik im Griff – und warum? Weil jede Bank für „systemrelevant“ erklärt wird. System hat aber nur die Lüge, meint der Sozialdemokrat Albrecht Müller. |
| 02. 12. 2011 – von Michael Hudson
Politik und Finanz – Was sind Schulden? Die Weltgeschichte beweist: Interessen von Gläubigern sind nicht die der Demokratie. Bankenrettungen führen in die Oligarchie. Der Finanzsektor betreibt eine neue Art der Kriegsführung. |
| 03. 12. 2011 – von Michael Hudson
Oligarchie der Finanz – Der Krieg der Banken gegen das Volk Es gibt einen Weg, wie der Euro gerettet werden kann: Man muss nur der Europäischen Zentralbank erlauben, das zu tun, wofür Notenbanken gegründet worden sind: Geld drucken. |
| 08. 12. 2011 – Sahra Wagenknecht
Schluss mit Mephistos Umverteilung! Auch Eurobonds werden nicht helfen: Die Finanzkrise, von neoliberaler Politik verschuldet, greift vor allem den Mittelstand an – und damit die Demokratie. Aber noch ist es nicht zu spät. |
Mindestlöhne richten keine Schäden an
Quelle: Ksta.de
Die bislang in Deutschland bestehenden gesetzlichen Mindestlöhne vernichten keine Arbeitsplätze und verzerren auch nicht den Wettbewerb. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Bundesregierung, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Sonntag berichtete. Vier Forschungsinstitute untersuchten demnach im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums die Wirkungen der Mindestlöhne.
Den ganzen Artikel finden sie hier.
Hier eine Liste zum Mindestlöhnen:
Luxemburg 1.570 €
Niederlande 1.335 €
Belgien 1.309,6 €
Vereinigtes Königreich 1.222,5 €
Frankreich 1.280 €
Irland 1.462 €
Griechenland 680,6 €
USA 696 €
Spanien 700 €
Malta 612,3 €
Slowenien 538,5 €
Portugal 497,0 €
Türkei 353,8 €
Tschechien 304,0 €
Ungarn 272,5 €
Polen 312,7 €
Estland 278,0 €
Slowakei 242,5 €
Litauen 231,7 €
Lettland 239,7 €
Bulgarien 112,5 €
Rumänien 141,4 €
Russland 117 €
Schweden , Dänemark Branchenregelungen
Österreich über Sozialpartner
Deutschland (in manchen Branchen)
Schweiz (in der Diskussion)
Stand 2008 Eurostat, Quelle: wikipedia